POLEN
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I n zwanzig Kilometer Ent-fernung vom Zentrum der polnischen Hauptstadt liegt das Wohnviertel Falenica. Bis in die frühen achtziger Jahre des eben zu Ende gegangenen Jahrhunderts lebte hier die Familie Szaniawski, die beschlossen hatte, ihr Haus den Jesuiten in Warschau zu schenken. Es handelte sich um keinen gewöhnlichen Bau, war es doch ganz aus Holz gebaut, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts von weither, aus der Ukraine, angeliefert worden war.
Vor kurzem ist neben dem alten Holzhaus, das zur Residenz einer kleinen Ordenskommunität geworden war, ein anderes Haus entstanden, das die Warschauer Jesuiten errichteten. Hier befindet sich das Europäische Zentrum für Kommunikation und Kultur (EZKK). Das Zentrum ist hauptsächlich zu dem Zweck entstanden, auf die verschiedenen Bedürfnisse der Menschen zu antworten, die zum Gemeinwohl beitragen wollen und nach Jahren der Passivität unter dem kommunistischen Regime nach
neuen Wegen für ihr Engagement suchen. Mit anderen Worten, es geht dem EZKK darum, einen Platz bereitzustellen für die Ausbildung der Menschen, damit sie - nicht nur in Polen, sondern auch in den von dem vergangenen politischen System noch härter betroffenen Ländern - zum "Sauerteig" des öffentlichen Lebens werden können, das auf die großen menschlichen und christlichen Werte gegründet sein soll. Der neuen Situation in allen diesen Ländern ist nämlich etwas gemeinsam: soziale Passivität, geringes Interesse für die Förderung des Gemeinwohls, aber auch Frustrierung und Enttäuschung, ausgelöst durch das unredliche Verhalten der heutigen Machtträger. Die Frustrierung liegt auf der Hand, wenn man das immer größere Gefälle zwischen den wenigen Neureichen und den vielen neuen Armen sieht. Das eigentliche Problem des sozialen Lebens in jenem Teil Europas, der noch heute vom Westen als sogenannter "slawischer" Monolith behandelt wird, besteht im Fehlen von Führungspersönlichkeiten, die keine Populisten sind, sondern wegen ihrer Ehrenhaftigkeit von den Leuten allgemein anerkannt werden, mutig die notwendigen Reformen vornehmen, aber auch empfänglich für die Nöte der Ärmsten sind. Das EZKK bietet daher einen Raum für die Aktivitäten von Nichtregierungs-organisationen, kirchlichen und sozialen Gruppen, die sich bemühen, ihren Beitrag zur Wiederbelebung der bürgerlichen Gesellschaft zu leisten. So wurden
Neben dem Haus aus dem 19. Jhdt., das wieder in eine Jesuitenresidenz umgewandelt wurde, befindet sich das moderne Europäische Zentrum für Kommunikation und Kultur
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Das Europäische
Zentrum für
Kommunikation und
Kultur vereint die
Kräfte derer, die
durch Überwindung
der in der slawischen Region
herrschenden Passivität für das
Gemeinwohl arbeiten wollen. Die Journalisten, die zum gesellschaft-lichen Wandel beitragen, stellen eine Gruppe dar, der ganz besondere Aufmerksamkeit gilt: mehr als 10 Seminare und Kurse
sind für sie abgehalten worden.
Das Zentrum bietet eine Vielfalt von Kursen an
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zum Beispiel im Jahr 2002 am Sitz des Zentrums Treffen zahlreicher Organisationen abgehalten, die sich in der Sorge um den Aufbau einer auf die demokratischen Werte gegründeten Gesellschaft zusammenfinden. Einige dieser Organisationen seien hier genannt: Vereinigung der städtischen Beratungsstellen; das Forum für die Opfer von Verbrechen; das Zentrum für Vermittlungsdienste; OCIPE (Europäisches katholisches Studien-und Informationszentrum). Dieses letztgenannte Zentrum hat in Falenica einige "Kleine
Begegnungen mit Europa" organisiert, das heißt, Begegnungen, die für Leute aller sozialen Schichten gedacht waren, um ihnen ausführliche Informationen über die europäischen Strukturen im Hinblick auf die EU-Erweiterung zu bieten. Das vom EZKK angestrebte Ausbildungsangebot für Laien, die sich im öffentlichen Leben engagieren, besteht auch in der
Vertiefung des Glaubens, die im Menschen den Willen dazu auslöst, diesen Glauben im konkreten Leben zu verkörpern. Dazu werden im Europäischen Zentrum für Kommunikation und Kultur auch die Geistlichen Übungen für verschiedene Personengruppen erteilt. Im Jahr 2002 gab es Exerzitien für die Unternehmer, während 2003 Exerzitien für die

Journalisten stattfanden. Letztere sind es nämlich, die ganz wesentlich das soziale Klima des Landes formen. Deshalb war das EZKK von Anfang an als Zentrum für die Ausbildung von Journalisten aus allen Ländern Osteuropas gedacht, und darüber hinaus als Begegnungsort von Journalisten aus dem Osten und Westen Europas. P. Grzegorz Dobroczynski hat die ersten Journalistentreffen ausgerichtet, die vor allem in den Kreisen der jungen Journalisten Osteuropas großes Interesse geweckt haben, die spüren, daß sie ihre Identität als Vertreter ihres Berufsstandes und als Katholiken in einer völlig neuen und herausfordernden Situation der Gesellschaft "neu überdenken" müssen. Bis jetzt wurden im EZKK ungefähr zehn internationale Kurse für Journalismus abgehalten. Zu den
wichtigsten gehörte der Kurs mit dem Titel "Bridges to Europa" (Brücken nach Europa), der Gelegenheit bot, über den Weg zu einem besseren gegenseitigen Verständnis nachzudenken, den die europäischen Länder gegangen sind und weiter gehen müssen. An der von einem internationalen Team von Medienleuten geleiteten Begegnung haben hauptsächlich Vertreter aus Polen, der Ukraine und Litauen teilgenommen. Ein weiterer Kurs wurde 2001 für die in den verschiedenen staatlichen und privaten Medien vertretenen ukrainischen Journalisten unmittelbar vor der historischen Reise des Papstes in dieses Land abgehalten. Es ging darum, den Medienvertretern einen möglichst umfassenden Überblick über das Leben der katholischen Kirche, die Person des Papstes, den
ökumenischen Dialog usw. zu bieten - kurz, über alles, was für eine ernstzunehmende und professionelle Verarbeitung des historischen Ereignisses nützlich sein konnte. Dieses Ziel scheint denn auch erreicht worden zu sein: die Reise des Heiligen Vaters in die Ukraine gehörte zu den von den Medien eines Landes am professionellsten begleiteten und kommentierten Papstreisen. Das EZKK hat auch zwei Kurse für Medienleute aus dem Kosovo ausgerichtet. Die durchwegs muslimischen Teilnehmer haben mit den in den öffentlichen polnischen Medien tätigen Kollegen diskutiert und Gedanken darüber ausgetauscht, wie in einem von Krieg und Konflikt gepeinigten Land die Werte der Eintracht und des Friedens wiederhergestellt und gefördert werden könnten. Dank der verbesserten technischen Ausstattung des EZKK (Räume für Dolmetscher, multimediale Projektionseinrichtungen) hat das Zentrum von Falenica auch damit begonnen, Kurse für Fernsehjournalisten aus verschiedenen Ländern zu organisieren. An einem Kurs im November 2002 haben Vertreter von Fernsehstudien in Rußland, Weißrußland, Lettland, der Ukraine und Kasachstan teilgenommen. Das Endprodukt ihrer zweiwöchigen Arbeit sind vier kurze publizistische Fernsehprogramme, die von den Medienexperten begeistert aufgenommen und - zum Teil - im Hauptprogramm des staatlichen Fernsehens ausgestrahlt wurden. Das EZKK arbeitet auch mit der Schule für Journalismus in Baranovici (Weißrußland) zusammen, die junge katholische und orthodoxe Journalisten auf die Medienarbeit vorbereiten will, sofern es die komplizierte politische Lage zuläßt.
Die Ausrichtung der Kurse wäre ohne die wertvolle Hilfe, die dem EZKK von seiten der in den polnischen staatlichen Medien tätigen Jesuiten zuteil wird, nicht
Der Fernsehjournalismus kommt im Zentrum unter
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Seit 1989 haben sich die Jesuiten den
staatlichen Organisationen der
Massenmedien angeschlossen. Sie
werden als Freunde und Kollegen
angenommen, was ihre Sendung,
Sauerteig zu sein auf diesem so
einflußreichen Gebiet, erleichtert.
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möglich. Sie sind es, die für das Zentrum von Falenica ein Team von Personen bereitstellen, welche die Ausrichtung der Kurse auf einem hohen professionellen Niveau aufrechterhalten.
In den staatlichen Medien Polens sind die Jesuiten seit 1989 tätig, das heißt also seit dem Beginn der politischen Wende, die das Ende des alten Regimes endgültig besiegelte. Vor dieser Zeit hatte die Kirche in Polen (und auch in den anderen kommunistisch beherrschten Ländern) keinen Zugang zu den öffentlichen Medien, insbesondere zu Rundfunk und Fernsehen. Aus diesem Grund galt bei Entstehung der Arbeiterbewegung Solidarnosc (1980) eine der Hauptforderungen der polnischen Arbeiter an die kommunistische Regierung dem Zugang der Kirche zu den Medien. Es sollten jedoch einige Jahre ins Land gehen, bis diese Forderung erfüllt wurde. Nach dem sogenannten "Runden Tisch" von 1989, an dem Vertreter der kommunistischen Partei (in deren Hand damals noch die Führung des Landes lag) und der Opposition teilgenommen haben, wurden der Kirche 60 Sendeminuten pro Woche im staatlichen Fernsehen zugesichert und zugleich empfohlen, diesen Zeitraum für die Übertragung der hl. Messe zu verwenden. Ebenso hat die Kirche auch Zugang zum staatlichen Rundfunk erhalten. Die polnischen Bischöfe haben ohne Zögern
entschieden, die Leitung der katholischen Programme in den staatlichen Medien den Jesuiten zu übertragen. Sofort wurden die entscheidenden Schritte unter-nommen, um die neue Situation bestmöglich zu nutzen. Der erste Programmdirektor, P. Andrzej Koprowski, beschloß, die für "katholische" Ausstrahlungen im staatlichen Fernsehen vorgesehene Sendezeit in drei getrennte Blöcke zu teilen, um nicht die Meinung zu verfestigen, die "Glaubens"-Themen beträfen nur den Sonntag. Über die Woche verteilt boten die zwar kürzeren, aber eben häufigeren Programme der katholischen Redaktion ein umfassendes Panorama an religiösen und ethischen Themen mit Bezugnahme auf die soziale Situation, in der die Menschen leben. Für denselben thematischen Ansatz entschied man sich bei den im Staatsrundfunk gesendeten katholischen Programmen. Der nächste Schritt bestand in der Eingliederung der "katholischen" Programm­redaktionen in die offiziellen Strukturen der öffentlichen Medien. Nachdem das vollzogen war, eröffnete sich den Jesuiten eine weitere Möglichkeit: Glaubens-verkündigung nicht nur über die Medien, sondern man wollte auch unter dem Personal, das täglich die Programme vorbereitet, eine ähnliche Arbeit leisten. Dabei handelte es sich um ein höchst aktuelles Problem. Nach den Jahren des atheistischen Totalitarismus und
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der Trennung der Journalisten vom Glauben, war es bei vielen von ihnen zu einer "psychologischen Blockierung" gekommen, weshalb ihnen die Kirche als eine unbekannte und unzuverlässige Realität erschien.
Seit damals sind mehr als zehn Jahre vergangen. Man kann sagen, daß heute die in den öffentlichen Medien tätigen Jesuiten an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr als "Fremde", sondern als Kollegen, ja, in vielen Fällen als Freunde angesehen werden... Das beeinflußt natürlich die Verbesserung des Arbeitsklimas und des Kirchenverständnisses von Seiten der Personen, die jahrzehntelang vorsätzlich vom kirchlichen Umfeld ferngehalten worden waren. Inzwischen sind im staatlichen Rundfunk und Fernsehen viele neue Journalisten eingezogen - sie sind jünger, aber auch mehr an die Präsenz der Kirche in den staatlichen Strukturen "gewöhnt".
Noch ein anderes Merkmal läßt an die Entwicklung denken, die mit der Präsenz der Kirche in den polnischen Medien zusammen-hängt. Heute scheinen Themen, die den Glauben und die Ethik betreffen, nicht mehr allein in den
katholischen Programmen auf, sondern auch in anderen Programmen, die von den verschiedenen Redaktionen erstellt werden. Die Kirche wird als ein echter "Partner" des Dialogs über die großen sozialen Themen angesehen, von denen im Rundfunk und im Fernsehen die Rede ist. Das bisher Gesagte beseitigt natürlich nicht die bestehenden Probleme. "Eine gewisse Gefahr - sagt der jetzige Direktor für die katholischen Programme im staatlichen polnischen Fernsehen, P. Krzysztof Oldakowski - rührt daher, daß es den in den verschiedenen Fernsehredaktionen beschäftigten Personen nur darum geht, 'den eigenen Garten zu bestellen', ohne nach Berührungspunkten mit den anderen zu suchen". "Es besteht jedoch ein dringendes Bedürfnis, diese 'Berührungspunkte' mit den Themen zu finden, die - wie P. Oldakowski unterstreicht - auf eine spontane und natürliche Weise auf das Evangelium ausgerichtet sind". Es scheint, daß sich dieses Bedürfnis leichter im Bereich des Rundfunks erfüllen läßt, wo die von P. Oldakowski gegründete und zur Zeit von P. Rafal Sztejka geleitete "katholische" Redaktion zum
Bezugspunkt für viele andere Programme geworden ist.
Aber kehren wir nach Falenica zurück. Wir haben unseren Artikel mit dem Hinweis auf die Familie Szaniawski begonnen. In Falenica lebt noch Joanna, die Tochter der ersten Gönner der Jesuiten, deren großzügigem Geschenk die Errichtung der lokalen Kommunität zu verdanken ist. Joanna's Sohn ist Jesuit geworden und arbeitet als Historiker, Professor und Missionar in Japan.
Fragt da jemand: "Wieso heißt Falenica 'das europäische Zentrum...'"?
Andrzej Majewski SJ Übersetzung: Sigrid Späth